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Wildvögel im winterlichen Garten - Spatz

Die Winter in unseren norddeutschen Breiten werden zwar gefühlt immer kürzer und milder. Dennoch gibt es regelmäßig auch Schneefall und teilweise länger andauernde Kälteperioden mit Minusgraden. Wie ihr euren Garten für geflügelte Wintergäste gestalten könnt, erkläre ich euch am Beispiel meines eigenen Gartens.

Warum sollte man Vögel im Winter füttern?

Wenn es richtig kalt wird, frieren Wassergräben, kleine Teiche und Seen, sowie Regenwassertonnen schnell zu und verschließen den Wildvögeln in unseren Gärten den Zugang zu Trinkwasser. Kommt dann noch Schnee dazu, finden die Wildvögel häufig kein Futter mehr, da es unter dem Schnee verborgen ist. Wir können jedoch ein bisschen dabei mithelfen, dass die Wildvögel in unseren Gärten trotzdem etwas Leckeres finden, das ihnen die nötige Energie liefert, die sie bei extremen Temperaturen dringend benötigen.

WELCHE WILDVÖGEL KÖNNT IHR IM WINTER BEOBACHTEN?

Amsel und Feldsperling
Buchfink
Ringeltaube
Blaumeise (linker Bildrand) und Grünfink

Nicht alle Vögel ziehen in den Süden. Viele bleiben einfach hier, weil sie gut mit unseren Wetterbedingungen und Temperaturen zurechtkommen. Die häufigsten Gäste im winterlichen Garten sind:

  • Rotkehlchen
  • Blaumeisen
  • Kohlmeisen
  • Buchfinken
  • Ringeltauben
  • Amseln
  • Wacholderdrosseln
  • Singdrosseln
  • Eichelhäher
  • Grünfinken
  • Elstern
  • Zaunkönige
  • Feldsperlinge & Haussperlinge (Spatzen)
Kohlmeise am Meisenknödel
Rotkehlchen und Kohlmeise an der Trinkwasserstelle
Einer von ca. 15 Haussperlingen, die täglich bei uns rasten. – Er liebt Körner!

In meinem Garten beobachte ich alle der aufgezählten Vogelarten täglich an den Futterstellen. Zusätzlich taucht regelmäßig ein Schwarm Türkentauben auf. Sie kommen immer alle gemeinsam vorbei (ca. 20) und freuen sich über das Buffet.

Besondere Gäste

Im Februar kommen dann oft noch Stieglitze (auch Distelfinken genannt) hinzu, die sich im Herbst oft in wärmere Gegenden Westeuropas aufmachen und bei uns erst wieder im Sommer oder bereits wie in diesem Jahr (2021) im Februar auftauchen.

Fast vergessen: Ein Buntspechtpaar lebt ebenfalls ganzjährig in meinem Garten. Auch wenn ich die Beiden immer mit etwas Skepsis betrachte, da sie im Frühjahr gerne Jungvögel aus Meisennistkästen rauben und töten, freue ich mich trotzdem darüber, dass sie sich hier wohlfühlen.

Stieglitze sind „Kämpfer“! Es stört sie nicht, sich gegen andere Vögel an der Futterstelle durchzusetzen.

Das richtige Futter wählen

Wildvögel ernähren sich überwiegend von Samen, Beeren, Bucheckern und Insekten. Ich verwende Futterspender, die sich nachfüllen lassen, das Futter vor Regen schützen und nach Vorliebe der Vögel aufgehängt werden könnt. Dabei achte ich darauf, dass die Futterstellen gut einsehbar sind und die Vögel nicht von Katzen überrascht werden können. Als Basis befülle ich die Futterspender mit Sonnenblumenkernen und Haferflocken. Zusätzlich kommt dann eine Wildvogel-Futtermischung hinzu. Gute Futtermischungen findet ihr zum Beispiel beim NABU oder in den Raiffeisen Märkten. Für die Amseln streue ich zusätzlich oft ein paar Rosinen, klein geschnittene Datteln oder Äpfel aus.

ACHTUNG! – Gefahr für Hunde und Katzen

Falls ihr auch überlegt, Rosinen ins Futter zu mischen, beachtet bitte, dass Rosinen bei Hunden und Katzen schwere Vergiftungserscheinungen und Nierenschäden hervorrufen können und deshalb (wenn überhaupt) so ausgestreut werden sollten, dass Hunde und Katzen nicht an diese Futterstelle gelangen können und dass auch nichts auf den Boden fallen kann.

Der Vorteil solcher befüllbaren Vogelfutterspender ist, dass maximal zwei Vögel darauf Platz haben und so die Gefahr von übertragbaren Krankheiten minimiert wird. Auf dem Foto: drei Feldsperlinge und zwei Grünfinken. Könnt ihr alle entdecken?
Kohlmeise am Vogelfutterspender

Verpackungsmüll vermeiden – der Umwelt zuliebe

Übrigens kaufe ich immer gleich 25-kg-Säcke des Wildvogelfutters, damit ich den Verpackungsmüll so gering wie möglich halte. In einigen Märkten kann man auch eigene Behälter mitbringen und sich das Streufutter für Wildvögel selbst zusammenstellen. Das geht beispielsweise beim NABU Bremen und ist natürlich die beste Variante, wenn man Müll vermeiden möchte.

Bei unseren Körnerfressern, wie Meisen und Finken, sind Meisenknödel ebenfalls sehr beliebt. Ich habe immer welche im Garten hängen und freue mich darüber, dass auch das Buntspechtpaar und die Rotkehlchen Gefallen daran finden. Während sie oben an den Meisenknödeln picken, warten auf dem Boden oft Amseln oder Sperlinge darauf, dass etwas für sie herunterfällt.

Ein Rotkehlchen an der Meisenknödel-Aufhängung

Wichtiger Hinweis zu Meisenknödeln

Damit keine Verhedderungsgefähr für die Vögel besteht und kein Müll im Garten landet, solltet ihr unbedingt darauf verzichten, Meisenknödel zu kaufen, die in (Kunststoff-)netzen stecken! Kauft besser lose Meisenknödel und steckt sie in geeignete Halterungen oder bastelt euch selbst Meisenknödel-Glocken aus alten Pflanztöpfen.

Hinweis für Veganer*innen: Was ich lange nicht wusste ist, dass Meisenknödel in der Regel mit Rindertalg zusammengehalten werden. Das ist nicht wirklich vegan und daher verwende ich, wenn ich selbst Meisenknödel herstelle, Palmfett. Das ist sicherlich auch umstritten wegen seiner schlechten Ökobilanz, aber irgendeinen Kompromiss muss man als Veganer*in häufig eingehen.

Veganes Rezept für Meisenknödel

Zutaten:

  • 1 kg Palmfett
  • 800 g Wildvogel-Futtermischung
  • 100 g Erdnüsse (ungesalzen!)
  • 100 g Sonnenblumenkerne
In meinem Garten hängt eine alte Teekanne, in die ich immer entweder Streufutter gebe oder etwas von der Meisenknödelmasse presse.

Zubereitung:

Das Fett langsam in einem Topf erhitzen und die Körner-Nuss-Mischung unterrühren, sobald das Fett sich umrühren lässt. Dann abkühlen lassen und in erkaltetem Zustand mit Hilfe eines Löffels und der Hände Kugeln formen, die dann in die Meisenknödelhalterungen gegeben oder in halbierte Kokosnusschalen oder Pflanztöpfe (oder ähnliche Behälter) gedrückt werden können.->Bastelanleitung

Vorlieben kennen – Futter klug verteilen

Nicht alle Vogelarten bevorzugen die gleichen Futterplätze. Wenn ihr die Wildvögel in eurem Garten eine Zeitlang beobachtet, werdet ihr feststellen, dass sie ganz unterschiedliche Vorlieben haben in Bezug auf Plätze, an denen sie sich aufhalten. Rotkehlchen sind beispielsweise Bodenbrüter und halten sich auch meist wenige Zentimeter über dem Boden auf. Das können Baumstümpfe sein oder niedrige Sträucher. Meisen, Grünfinken und Spechte sehe ich meist in etwa 2-3 Metern Höhe in den Bäumen und Sträuchern. Und Tauben, Amseln und Spatzen halten sich gerne am Boden auf, hüpfen über die Wiese und warten unter den aufgehängten Futterspendern, bis etwas herunterfällt.

Zur Zeit steht auf unserem „Pfahl-Korb“ ein Behälter mit frischem Trinkwasser.

Ihr solltet daher unterschiedliche Plätze in unterschiedlichen Höhen für eure Futterstellen wählen. Wir haben für die Amseln und Tauben, die in der Regel nicht an die Futterspender fliegen, einen Korb auf einem Pfahl befestigt und dort gebe ich täglich etwas Streufutter hinein oder stelle bei Minustemperaturen Wasserschalen hinein, die ich mehrmals täglich eisfrei mache. So können die Vögel vor Katzen geschützt in Ruhe fressen und/oder trinken.

Ganzjährig füttern?

An dieser Stelle möchte ich aus einem Artikel des NDR zitieren, da diese Frage dort gut zusammengefasst wird:

Ob Wildvögel nur bei Frost und Schnee oder ganzjährig gefüttert werden sollen, darüber gehen die Meinungen der Experten auseinander. Die Sielmann-Stiftung spricht sich beispielsweise für die Ganzjahresfütterung aus. In den häufig artenarmen Gärten und von industrieller Landwirtschaft geprägten Umgebung fänden Vögel immer weniger Nahrung. Anders sieht es der Naturschutzbund Deutschland, der zwar für die Winterfütterung ist, die Ganzjahresfütterung aber kritisch sieht. Sie sei kein Mittel gegen den Vogelschwund, da von der Fütterung 10 bis 15 Arten profitierten, deren Bestand nicht gefährdet sei. Wichtiger sei es, naturnahe Lebensräume zu erhalten oder zu schaffen. 

http://www.ndr.de
Die beiden Eichelhäher, die uns täglich besuchen, sind sehr scheu und immer schnell wieder weg von der Futterstelle.

Ich persönlich füttere das gesamte Jahr über. Im Frühling unterstütze ich die Vogeleltern dabei, ihre Energiereserven aufzutanken, die sich durch das ständige Herumfliegen auf der Suche nach Insekten für ihre Jungen schnell leeren. Im Sommer füttere ich etwas weniger, sorge dafür aber immer für ausreichend frisches Trinkwasser und eine Badegelegenheit. Für den Herbst haben wir im Garten mehrere Sträucher gepflanzt, die Beeren tragen und somit gegen Jahresende eine Futterquelle für Amseln und Drosseln anbieten. Eine Liste mit vogelfreundlichen Hecken und Sträuchern findet ihr hier.

Ein Sperling im Meisen-Nistkasten 🙂

Ist euer Garten fit für glückliche Wildvögel im Winter?

Mich interessiert, ob euch dieser Artikel weitergeholfen hat und ob ihr noch weitere Anregungen für einen vogelfreundlichen (Winter-)garten habt. Schreibt doch gerne einen Kommentar und erzählt mir von euren Erfahrungen!

Autorin: Linda Grüneisen

Linda Grüneisen lebt mit ihrer Familie am Wattenmeer in Butjadingen. Sie ist Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen, arbeitet jedoch als freie Fotografin und Social Media Managerin. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in sozialen Projekten, sowie im Umwelt- und Tierschutz. Sie lebt seit 2014 vegan.