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Spatzenfoto-12Vom nachhaltigen Leben auf dem Land

Es grünt und blüht draußen vor meiner Haustür. Die Schneeglöckchen haben sich bereits wieder bis zum nächsten Frühling zurückgezogen, aber dafür leuchten Narzissen wie kleine Lämpchen im Sonnenschein und Tulpenstängel recken sich an allen möglichen und unmöglichen Stellen aus dem hohen Gras empor.

Unser Garten ist weitestgehend naturbelassen. Hier wird das Laub im Herbst zusammengeschoben und für Igel und Insekten als Unterschlupf liegen gelassen. Eine größere Fläche unserer (von Mäusen untertunnelten) Wiese wird nicht gemäht und es gibt zahlreiche Sträucher, die für Gartenvögel auch im Winter ein leckeres Beerenangebot vorhalten. Im Kompost tummeln sich unzählige Würmer, Insekten und Spinnen und wenn ein Maulwurf der Meinung ist, unser Moos etwas auflockern zu müssen, sprengen wir ihn dafür nicht in die Luft und legen auch keine Giftköder aus.

Und weiter oben?

Die sieben Meisennistkästen, die wir in unseren Bäumen und am Haus verteilt haben, sind Jahr für Jahr zuverlässig ausgebucht und mussten bereits mehrere Male wegen Specht-Vandalismus saniert und repariert werden, doch änderten diese störenden Maßnahmen nichts an der Attraktivität der Wohnlage. Auch Distel-, Buch- und Grünfinken, Saatkrähen, Ringel- und Türkentauben sind zuverlässige Besucher in unserem Garten.

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Kohlmeisen: Er sonnt sich, während sie ihm von innen zusieht

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Grünfinken und ein Distelfink an einer der Futterstellen

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Kohlmeise

Die verwöhnten Neureichen

Ein Wohngebiet bereitete uns jedoch bislang große Sorge: Die kleine hübsche Reihenhaussiedlung, die in ökologischer Holzbauweise gefertigt und im März 2018 an unserer Hauswand, in optimalem Abstand zur beliebten Dachrinne, angebracht worden war, konnte bislang einfach keine Mieter anlocken.

Der Architekt hatte die Reihenhäuser speziell für die Bedürfnisse und Vorlieben von Feld- und Haussperlingen, also Spatzen, konzipiert und die Umfeldanalysen, die wir vor Stellung des Bauantrages vorgenommen hatten, ergaben, dass in den Jahren 2016 und 2017 zahlreiche Spatzenpaare bereits unter unserem Hausdach, sowie in zwei Meisennistkästen einen Platz für die Aufzucht ihrer Jungen gefunden hatten.

Es war daher zu vermuten, dass der zusätzlich zur Verfügung gestellte Wohnraum zügig und dankbar angenommen werden würden. Tja. Trugschluss. Die Holzhütten blieben leer. Bis gestern!Spatzenfoto-32

Besichtigungstermin mit Briefing

Als ich gestern mit einer Tasse Tee und einem guten Buch auf der Eingangstreppe unseres Hauses saß, nahm ich aus dem Augenwinkel links von mir eine Bewegung wahr. Ich sah von meiner Lektüre auf, drehte den Kopf und sah einen Haussperling auf einem der Reihen-Eckhäuser sitzen.

Er hüpfte abschätzend von Dach zu Dach der dunkelbraunen Bungalows, ließ sich auf die Eingangstreppe hinab und steckte seinen Kopf in eine der perfekt gezimmerten Öffnungen. Er zwitscherte leise irgendeine geheime Losung und plötzlich tauchte im Eingang neben ihm der Kopf einer Haus[sperlings]dame auf.

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Sie zwitscherte etwas zurück und erteilte dem potenziellen Neumitglied der Eigentümerversammlung wahrscheinlich Auskunft über die Nachbarschaft und das Zusammenleben mit den zwei Starenpärchen, die sich vor vier Tagen an den Dach-Ecken rechts und links eingenistet hatten. Ich vermute, dass sie dem Kaufinteressenten auch ein paar Worte über mich sagte und ihn beruhigend darauf hinwies, dass ich  nicht immer so ungläubig und aufdringlich in die Gegend starre, sondern eigentlich ganz nett bin, mich jeden Tag um ein abwechslungsreiches Buffet bemühe und nicht viel Lärm mache.

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Wählerisches Spatzenvolk

Der Feldsperling schien sich noch nicht hundertprozentig sicher zu sein, ob er nicht doch die fröhlich feiernde Spatzen-Kommune unter dem Dach einer Öko-Holzhaus-Immobilie vorziehen sollte. Er flog jedenfalls erstmal wieder weg und die Eigentümerin des Mittelhauses zog den Kopf wieder ein.

Für mich war in diesem Moment klar, dass ich das Buch erstmal auf unbestimmte Zeit zur Seite legen und meine Kamera holen musste. Ein zweiter Tee konnte auch nicht schaden, denn das würde ein spannender Tag werden.

Also saß ich wenig später mit leicht veränderter Blickrichtung, nur unzureichend von einem Strauch verdeckt, im Garten und beobachtete in den nächsten Stunden Erstaunliches…

Die Observation des Turbo-Einzugs

Fünf von sechs Spatzenunterkünfte fanden nach zwei langweiligen Jahren an diesem Nachmittag endlich ihre ersten Eigentümer!

Es wurde fleißig Nistmaterial und Deko herbeigeschleppt und von Zeit zu Zeit steckte man die Köpfe aus den Fenstern, um einen Klönschnack zu halten. Oder man traf sich auf dem Flachdach, um über Bauvorschriften und die Möglichkeit einer Solaranlage zu fachsimpeln. Auch das Präsentieren hübscher Gras-Einkäufe wiederholte sich mehrfach. Ein perfekter Ort dafür schien die rostfreie Kette zu sein, die unser Regenwasser vom Dach in ein Fass leitet.

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Co-Working-Space mit bestem Internetzugang

Meine Vermutung ist ja, dass die jungen, hippen Hauskäufer nach zwei Jahren endlich verstanden haben, dass es nicht nur unter unserem düsteren und im Sommer überhitzen Hausdach, sondern auch in den Außenimmobilien ein hervorragendes W-LAN gibt und man dort mit Blick auf die gut anzufliegende Futterstelle wunderbar kreativ im Home-Office arbeiten und seine Kinder naturnah aufwachsen lassen kann!

Denn eines hat uns Torben Reininghaus vom NABU Bremen vor ziemlich genau zwei Jahren schon prophezeit: Spatzen sind wählerisch!

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Torben Reininghaus vom NABU Bremen im März 2018

Zeitreise: 2 Jahre zurück

Bei diesem Besuch des NABU, den Kay und ich im März 2018 angetreten hatten, um herauszufinden, wo die Bremer Spatzen hin sind, haben wir eine Menge über unsere Schwarmmitglieder erfahren und gelernt! Ihr könnt euch den dazugehörigen Artikel gerne noch einmal durchlesen, wenn ihr Spatzen genau so toll findet, wie wir! Eine Bauanleitung für eine Spatzen-Reihenhaussiedlung gibt es übrigens hier.

Schickt uns eure Texte!

Gibt es bei euch Spatzen im Garten oder in der Umgebung? Habt ihr vielleicht Geschichten oder Gedichte in eurer Schublade, in denen Spatzen vorkommen?  Erzählt uns davon und schickt uns eure Texte!

Wir freuen uns immer über lustige, skurrile, niedliche und liebenswerte Erlebnisberichte und andere Texte, in denen Spatzen auftauchen.

Schreibt uns per E-Mail oder in Form eines Kommentars. Wir sind gespannt und veröffentlichen gerne eure Geschichten auf unserer Facebook-Seite!

Also greift am besten gleich zur Feder… ähm… zum Stift… oder zur Tastatur!