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Ein Freund der Erde _ TC Boyle_quadratischRückblick mit Ausblick in der Gegenwart

„The earth died screaming
While I lay dreaming“

Tom Waits
>The Earth Died Screaming<

Wenn dich ein Buch findet

Als Kay Niebank vor zwei oder drei Jahren in einem öffentlichen Bücherschrank in Bremen den Roman Ein Freund der Erde entdeckte, war sein erster Gedanke glücklicherweise „Den nehme ich mal für Linda mit.“ und so fand die Taschenbuchausgabe mit ihren leicht vergilbten Seiten und dem speckigen Einband ihren Weg zu mir nach Butjadingen, wo die Welt scheinbar noch in Ordnung ist.
Ich hatte bereits einige Bücher des Bestsellerautors T. Coraghessan Boyle gelesen und fand sie alle gut. Daher freute es mich umso mehr, nun diesen vielversprechenden Titel in den Händen zu halten.

Dystopie mit Hoffnungsschimmer

Die Geschichte beginnt im Jahr 2025 in einem befremdlichen, von Menschenhand und Klimawandel zerstörten Amerika, in dem der 75-jährige Hauptprotagonist, Tyrone O´Shaughnessy Tierwater, genannt Ty, auf sein Leben zurückblickt. Er ist alt geworden und vielleicht auch etwas müde. Er lebt in einer Zeit, in der Unwetter täglich wüten, zahlreiche Tierarten ausgestorben sind und in der die Menschen gegen Versorgungsengpässe und Müll ankämpfen. Ty hat ein bewegtes Leben hinter sich und aus dem erzählt er uns in diesem Buch. Wir erfahren, wie Ty durch seine Frau Andrea zum Ökoterroristen wurde und dafür ins Gefängnis ging. Wie er gemeinsam mit seiner Familie versuchte, auf die Missstände in der Umweltpolitik und der Wirtschaftswelt aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit aufzurütteln. Wie seine Tochter Sierra zur Umweltaktivistin wurde und dabei starb. Wie aussichtslos und frustrierend sein Kampf für die Erde war und warum er dennoch seinen Mut und die Liebe nie verloren hat.IMG_20200311_081751

Der Mensch und seine (Um)welt

Die Geschichte von Ty, die T.C. Boyle vor ziemlich genau zwanzig Jahren veröffentlichte, hat mich beim Lesen gefesselt, fasziniert und erschüttert. Denn sie ist aktueller denn je! In vielen Szenen konnte ich mich selbst wiederfinden, konnte fühlen, wie frustrierend es ist, wenn man Tag für Tag gegen Windmühlen kämpft und es dabei dem eigenen Empfinden nach keinen Millimeter voran geht. Ich lese täglich mit Beschämung die Nachrichten unserer Politiker*innen, die sich scheinbar nicht trauen, in Sachen Klima- und Umweltschutz konsequente, wirkungsvolle Maßnahmen zu beschließen, vielleicht aus Angst, es sich mit der Industrie oder irgendwelchen Lobbyisten zu verscherzen und dann am nächsten Wahlsonntag kein Kreuz zu bekommen. Häufig stehe ich mit ähnlich denkenden Menschen auf der Straße, um zu informieren, laut zu sein und Missstände öffentlich zu machen und dann komme ich nach Hause und grübele darüber nach, ob das überhaupt irgendeinen Effekt hat.

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Aktueller geht es kaum

Ähnlich wie die Aktivist*innen im Hambacher Forst, versuchen auch Ty Tierwater und seine Familie die Natur, die sie umgibt, mit all ihren Kräften zu beschützen. Sie überschreiten dabei die eine oder andere Grenze und obgleich ich ein gesetzestreuer Mensch bin, konnte ich jede Handlung von Ty, Andrea und Sierra in diesem wunderbaren Roman nachempfinden.
Vielleicht sollte man das Buch als aktuelle Pflichtlektüre in die Schulen bringen. Damit die nachkommenden Generationen es besser machen als wir. Damit sie das Nachdenken und Hinterfragen neu für sich entdecken und dann als Folge davon für ihre und unsere Erde kämpfen!

Aktiv werden! Jetzt!

Wenn ihr die Möglichkeit habt, Ein Freund der Erde von T.C.Boyle in eurer Stadtbibliothek auszuleihen, oder es bei Ebay zu ersteigern, dann tut das. Ihr werdet danach noch etwas klarer sehen! Ich gebe es auch gerne weiter. Eine kurze Nachricht genügt. Wenn ihr darüber hinaus etwas für diesen wunderbaren Planeten tun möchtet, wartet nicht darauf, dass Politiker*innen irgendetwas beschließen. Fangt bei euch selbst an! Informiert euch im Internet zu Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Plastikfasten oder Upcycling, engagiert euch bei entsprechenden Organisationen in eurer Nähe und seid achtsam im Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen.

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