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Die Welt hat an der berühmtesten bezopften Schwedin seit Pippi Langstrumpf in den vergangenen Wochen so lebhaft Anteil genommen, dass weniger wichtige Ereignisse – wie etwa der Klimawandel – ein bisschen aus der öffentlichen Diskussion verschwunden sind. Grund genug, nochmal an den morgigen Klimastreik und an einige Randereignisse zu erinnern, die in den Medien wenig Beachtung fanden.

Kaum war bekannt geworden, dass Greta Thunberg die Einladung annehmen würde, mit der Hochsee-Yacht „Malizia II“ in die USA zu segeln, wurden die Nebelkerzen entzündet und der Chor derjenigen, die Schmähungen im Internet gegen eine Schülerin für selbstwertdienlich halten, schwoll zu einem Crescendo an. Natürlich fehlten auch nicht jene schlichten Gemüter, die in einem Rückfall auf das Humorniveau von Erstklässlern die Verballhornung von Namen („Gretel Thunfisch“) immer noch für einen ganz famosen Spaß halten. Bösartiger als jenes windköpfige Schandgezücht (eine Beschreibung, für die ich Miguel de Cervantes Saavedra ewigen Dank schulde) sind solche Menschen, die wissentlich Gerüchte streuen mit der Absicht, auf persönlicher Ebene zu diffamieren, um die Verteidiger auf den Plan zu rufen und in der Hitze der Diskussion vom eigentlichen Thema abzulenken. Gegen den Klimawandel lässt sich kaum noch ernsthaft diskutieren. Darum liest man vor allem ad hominem-Argumente, persönliche Angriffe gegen Menschen. Eine Unterform dieser Argumentationstrategie, die der moralischen Rechtfertigung dient, ist die aber-selba!-Reaktion, in Schlausprech auch als tu-quoque-Argument bezeichnet. Weil es nicht schön ist, sich ertappt zu fühlen, muss man eben dem Gegenüber zeigen, dass er auch nicht besser oder wenigstens nicht unfehlbar ist. Das ändert zwar nichts am eigenen Verhalten, spricht dem Anderen aber die moralische Überlegenheit ab: „Feg‘ du mal schön den Balken vor deinem eigenen Auge!“

Profis auf Nebengleisen

Diese Argumentationsschiene ist bekannt. Ihr lässt sich am besten begegnen, indem man sie einfach ignoriert und zum Thema zurückkehrt. Pikant wird es allerdings, wenn die Kommunikationsprofis großer Zeitungen auch noch mitspielen. So führten gleich mehrere mediale Milchmädchen ihre Rechenkunststückchen vor. Die WELT vom 14.08.2019 sah „Greta Thunberg in der Klima-Falle“ und die taz titelte am Tag darauf „Gretas Törn schädlicher als Flug“ und behauptete in einem weiteren Artikel auch noch, diese Schändlichkeit „enthüllt“ zu haben. Ich will auf die zweifelhafte Arithmetik, die die Wirtschaftsredaktionen beider Zeitungen hier vorführen, nicht weiter eingehen, denn darum geht es, wie gesagt, gar nicht. Mir scheint es nur bedenklich, dass zu diesem Mittel der Ablenkung gegriffen wird, und es bestürzt mich, allerdings nur bei der taz, dass sie den Klimaleugnern so massiv in die Hände spielt.

Man wird sich ja wohl mal selbst verpflichten dürfen

Meanwhile in Germany: Klimakanzlerin Merkel, die bereits vor Monaten Fridays for Future für ihr Engagement verbal das Haupt getätschelt hat, lässt sich am 21.8. mit einem Polizeihubschrauber zur Nationalen Konferenz „Luftfahrtstandort Deutschland“ am Flughafen Leipzig/Halle fliegen. Dass sie eine Bahnfahrt nach Leipzig scheute, kann ich aufgrund eigener Erfahrungen sogar verstehen, obwohl Frau Merkel doch vielleicht sogar ein eigener Zug zur Verfügung gestanden oder die Bahn sich bei ihr nochmal richtig ins Zeug gelegt hätte. Aber was ich wirklich vermisste, waren die Vermessung ihres ökologischen Fußabdrucks und Berichte darüber, wie viele Menschen ihretwegen auch fliegen mussten (der Pilot, Sicherheitspersonal, der Mitarbeiterstab, diverse Journalisten etc. – gibt es in Polizeihubschraubern eigentlich Flugbegleiter*innen?). Spannend ist aber auch, was sie auf dieser ersten Bund-Länder-Konferenz zum Luftfahrtstandort Deutschland über die Verringerung des Flugverkehrs, wenigstens innerhalb Deutschlands, sagte. Nichts nämlich. Flugreduktion ist keine Option. Denn der grenzüberschreitender Austausch und die internationale Vernetzung – durch Fliegen – sind „gelebter Alltag“. Da aber auch der Klimawandel gelebter Alltag ist, setzt sie ganz auf klimaverträglichere Flugzeugtechnologien. Auch ihr sei „eine zunehmende Kritik gerade auch am Flugverkehr“ nicht entgangen. Darum drängt sie auf eine Entkopplung von klimaschädlichen Emissionen und Wachstum. Um dies zu erreichen, hat die Luftfahrtbranche sich verpflichtet, „die CO2-Emissionen des Luftverkehrs ab dem Jahr 2020 einzufrieren und bis 2050 auf 50 Prozent des Wertes von 2005 zu senken…“. Abgesehen davon, dass sich ein großer Teil der auf der Konferenz Anwesenden schon aus biologischen Gründen in 30 Jahren nicht mehr an die vereinbarten Ziele erinnern wird, frage ich mich bei solchen Selbstverpflichtungen immer, warum jemand, der sicher ist und ernsthaft die Absicht hat, diese Absprachen zu erfüllen, nicht auch ganz offiziell dazu verpflichtet werden kann, diese Ziele einzuhalten. Mit abgestuften Strafauflagen, wenn es nicht klappt. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, so nach Misstrauen und übertriebener Vorsicht, ist aber durch den „gelebten Alltag“ in Hinblick auf CO2-Emissionen und Kontrolle bedingt.

Sieben Überflieger auf einen Streich

Schließlich haben sich vom 24.-26.8. in Biarritz noch acht Personen getroffen, von denen fünf mit der Bahn hätten anreisen können, und vermutlich hat wieder keine Wirtschaftsredaktion ausgerechnet, wie viele Flüge deswegen notwendig wurden. Auf dem G7-Gipfel 2019 trafen sich die Vertreter*innen von sieben Staaten und Donald Tusk von der EU, die „Gruppe der Sieben“. Hinzu kamen mindestens eine Dolmetscherin/ein Dolmetscher pro Person, Staatssekretäre, Sicherheitspersonal, Presse, Funk und Fernsehen, die Mitarbeiter des Hôtel du Palais, der Coiffeur von Donald Trump, Schriftführer, Chauffeure undundund. Da fragen sich doch sicher manche: Können die nicht skypen? Jetzt mal abgesehen von der Kanzlerin des digitalen Neulands. Oder kriegen es die sieben führenden Industrienationen nicht auf die Reihe, eine funktionierende Konferenzschaltung einzurichten – so mit Bildtelefon? Wenn es um die Technik geht, kann die NSA doch sicher aushelfen. Was hätte da an CO2 gespart werden können! Kann nicht mal jemand den G7 aus der Klimafalle helfen?

Hilfe kommt

Doch, kann jemand. Zu diesem Zweck und weil es nichts bringt, sich von Nebelkerzen blenden zu lassen, gibt es am 20. September wieder einen großen, internationalen Klimastreik, auf dem #AlleFürsKlima auf- und einstehen können, um die F4F nicht mit dieser Aufgabe allein zu lassen.

Wo und wann die Demonstrationen vor Ort stattfinden, verrät diese Website