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Die Entstehung von „Krötenregen“

Wenn man micanzeigenh fragt, wie ich auf die Idee zu „Krötenregen“ gekommen bin, muss ich immer schmunzeln. Es war eigentlich nur ein feuchtfröhlicher Abend bei mir zu Hause, zwei Gäste. Und einer von beiden hatte gerade bei einer Online-Partnervermittlung eine Kontaktanzeige aufgegeben – so fing es an.

Besagter Freund unterhielt uns mit so lustigen und haarsträubenden Erlebnissen bei der Partnersuche, dass wir den Faden munter weitersponnen. Am nächsten Morgen stand meine Entscheidung fest: Singlebörsen sind ein spannender Markt, auf dem sich Prinzessinnen, Chauvis, Optimierer und Verrückte tummeln. Das klang doch nach gutem Stoff für ein Buch!

Das Ergebnis ist „Krötenregen“, soeben beim Spatzenschwarmverlag erschienen.

Aber wie ging das mit dem Schreiben? Wie kam ich zum Figuren-Entwurf? – Leonard – meine Hauptfigur – hat sich quasi von selbst entwickelt. Er ist Chef einer Kontaktanzeigenagentur: eigenbrötlerisch und neurotisch, verhilft er anderen Menschen zum Beziehungsglück, bekommt sein eigenes Liebesleben aber überhaupt nicht auf die Reihe.

Im Schreibprozess begannen ziemlich schnell die Schwierigkeiten mit Leonard als Figur: Ein Mann! – Damit ging es schon einmal los. Dazu noch verdruckst, also ganz anders als ich. Dem kam ich überhaupt nicht nahe. Ich begriff lange nicht, wie er tickt. Bis ich auf die Idee kam, die Erzähl-Perspektive zu wechseln. Aus einem „Er“ wurde ein „Ich“ – danach lief es.

Die anderen Figuren schrieben sich unbemerkt mit hinein: Leonards pollengeplagte, häufig abwesende Angestellte Angelika. Seine beste Freundin Marie-Louise, eine überdrehte, schrille Adlige, die gerne Gift versprüht – und das nicht nur mit ihrer spitzen Zunge! Und all die anderen Figuren, die in „Krötenregen“ ihr Unwesen treiben.

Übrigens, zu meiner Schreibtechnik: Anfang und Ende des Buches standen für mich von vorneherein fest. Die Handlung hat sich erst beim Schreiben entwickelt, ganz nach dem „Trial and Error“-Prinzip.

Sehr aufwändig waren die Recherchen. Alles über Kontaktanzeigen musste ich wissen – das war klar! Aber Leonard musste auch ein Vorleben haben, und da hat er als Sohn eines autoritären Metzgers – er selbst ist überzeugter Vegetarier (!) – keinen leichten Stand. Es war die schlimmste Recherche, die ich je machen musste: die Bilder von Schlachthöfen auf Tierschutzseiten, die Youtube-Videos, in denen Tiere wie am Fließband durch Schleusen getrieben, betäubt und anschließend getötet werden, gehen mir bis heute nicht aus dem Kopf.

Für „Krötenregen“ führte ich dann mit einem alten Metzger auch eines der spannendsten Interviews, das ich nie vergessen werde. Mein Gesprächspartner war knurrig, über achtzig Jahre alt und hat mir lebendig – und blutig – vor mein inneres Auge geführt, „wie das früher so war mit dem Schlachten.“

Aber es ist ja ein Liebesroman – und kein Liebesroman ohne Liebe! Also brauchte Leonard unbedingt eine neue Partnerin. Knistern sollte es zwischen den beiden … Aber natürlich durfte nicht alles glattgehen für Leonard und seine Liebste, sonst macht das Lesen – und das Schreiben – keinen Spaß. Leonard muss so manche Kröte schlucken, bis er seine Mia endlich erobert. Und damit war auch schon der Titel geboren: „Krötenregen“!

Mit Mia, Leonards Liebster, hatte ich komischerweise die größten Probleme. Ich fand sie zu schön, zu perfekt, zu klug … Sie wäre mir im wirklichen Leben unsympathisch. Dachte ich. Denn jetzt, wo ich das Buch nach all den Mühen und Wirren endlich in den Händen halte, muss ich sagen: Ich finde Mia toll. So eine hätte ich gerne als Freundin. Aber sie gehört ja jetzt zu Leonard … Das wollen wir jedenfalls hoffen!