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Kröteunten

Es gibt etwas zu erzählen! – Aber ich sag‘s nicht. Soviel habe ich inzwischen auch gelernt, dass es zu den perfideren Tricks der Social-Media-Welt gehört, Andeutungen zu machen, Neugier zu wecken, künstlich einen Spannungsbogen aufzubauen… und dann nochmal schnell weg zu müssen, zum Schweigen verurteilt zu sein, eine Geheimhaltungsklausel mit seinem düsteren Alter Ego, der dunklen Seite der Macht, unterzeichnet zu haben. Das ist nicht böser Wille, das ist… naja, eigentlich schon. Oder, wie es Julia Engelmann vielleicht formulieren würde: Böser Wille ist ein Anagramm von Marketing. (Was natürlich Quatsch ist. Das Anagramm von Böser Wille ist Berwöselli)

Die Auflösung kommt also, aus technischen Gründen, erst am nächsten Donnerstag. Aber ich habe keine Mühen gescheut, um eine weitere Rezension zu finden, mit der sich einige Hinweise verbinden lassen – von wegen Spannungsbogen. Heute geht es deshalb um den Krimi „Ein tiefer Fall“ von Bernhard Kegel.

In einem Forschungsinstitut an der Kieler Uni kommen in einer Nacht zwei junge Wissenschaftler auf rätselhafte Weise ums Leben. Unterstützt durch den Zoologen Hermann Pauli, den Leser von Bernhard Kegel bereits aus dem Krimi „Der Rote“ kennen, erhalten die Ermittler bei dem Versuch, den Fall aufzuklären, zum Teil recht ernüchternde Einblicke in die Hinter- und Abgründe internationaler Spitzenforschung.

Zu behaupten, die Erzählung würde von nervenzermürbender Spannung getragen, wäre übertrieben, doch handelt es sich um einen sprachlich geglückten, vielschichtigen Krimi mit glaubhaften Charakteren und Handlungen, dem anzumerken ist, dass sich der Autor im universitären Wissenschaftsbetrieb auskennt. Lediglich zum Schluss scheint die Fiktion dem Optimismus doch etwas zu bereitwillig die Zügel schießen zu lassen.

Wer sich – möglicherweise angeregt durch die Lektüre dieses Romans – für Abgründe in der Forschung interessiert, dem sei der „Krötenküsser“ von Arthur Koestler empfohlen, ein Buch, das im Krimi am Rande ebenfalls Erwähnung findet. Erhellend könnte aber auch eine kleine Internetrecherche nach Franz Moewus sein, einem Namen, dessen Ähnlichkeit mit einer Hauptfigur aus Kegels Roman vielleicht nicht ganz zufällig ist. Oder hat da doch eher ein Jazzgitarrist Pate gestanden?

Aber… wie ist das eigentlich mit der Amphibienknutscherei? Frösche verwandeln sich doch angeblich in Prinzen, wenn sie von Prinzessinnen geküsst oder an die Wand geworfen werden – die Fachliteratur (Grimm & Grimm) ist sich da nicht so ganz einig. Terry Pratchett widerspricht, weil er grundlegende Bedenken hat, dass das Gesetz der Massenerhaltung dabei auf‘s Gröblichste verletzt wird, man also von sehr schweren Fröschen oder sehr leichten Prinzen oder Prinzen in Froschgröße ausgehen müsste. Wenn aber Frösche zu Prinzen werden, verwandeln sich dann geküsste Kröten in Prinzessinnen? Vom grammatischen Geschlecht – der Frosch, die Kröte – würde es ja schonmal hinkommen. So aus Gründen der Ausgewogenheit. Weiß da jemand Genaueres? Ich frage für einen Freund.

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