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Laurence J. Peter & Raymond Hull: Das Peter-Prinzip

Lindakarte001Eigentlich ist dieses Werk entschieden eines für die große Kiste mit Büchern, die die Welt nicht braucht. Aber angesichts des bravourösen Scheiterns der CDU im entspannten Umgang mit dem Rezo-Video vor der Wahl und der nicht minder gelungenen Entgleisung von AKK danach, fühlte ich mich doch sehr an die darin enthaltenen Ausführungen zu Hierarchie und Inkompetenz erinnert und habe eine frühere Rezension dazu nochmal abgestaubt.

Ursprünglich wollte Dr. Peter seine „Erkenntnisse“ gar nicht veröffentlichen. Das war weise. Doch dann ließ er sich von Mr. Hull überreden. Und das war … schade!
Das Buch begeistert seine Leser mit der Erkenntnis, dass viele Stellen in der Arbeitswelt von Leuten besetzt werden, die ihren Aufgaben nicht gewachsen sind. Eigentlich banal, aber das haben wir alle schon erlebt, da können wir mitreden und fühlen uns verstanden. Peters Erklärung für diese Beobachtung

  • „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“ (Peter-Prinzip)

hätte auf einem Button Platz gefunden, aber Mr. Hull ist Autor und Journalist – behauptet er zumindest im Vorwort – und als solcher hört er natürlich noch lange nicht auf, wenn eigentlich schon alles gesagt ist, sondern krempelt die Ärmel hoch und verdient sich seinen Lebensunterhalt, indem er selbst aus dem Warnhinweis auf einer Zigarettenschachtel noch einen Roman machen würde. Nicht gespart wird dabei auch mit solchen Perlen des Humors wie der, dass viele junge Mädchen ihre Stufe der Unfähigkeit bereits als Hausfrau erreichen. Da dröhnt das Wirtshaus und das Bier schwappt über!

Überhaupt liefert das Werk viel Anlass zur Heiterkeit, besonders an Stellen, wo die Autoren wieder einmal betonen müssen, dass es sich bei den ausgewalzten Einsichten um Forschungsergebnisse handelt – jawohl! – oder sie von der „hierarchologischen Wissenschaft“ phantasieren. Allerdings, das muss der Fairness halber erwähnt werden, stammt das Buch aus einer Zeit vor Fake-News und Fake-Science, als zwischen Forschung und forsch vorgetragen noch nicht differenziert werden musste. Heute würde man die Angabe belastbarer Quellen verlangen. Also von YouTubern. Vertreter christlicher Parteien haben zu diesem Zweck eine fest installierte Seriosität und das achte Gebot.

Um es kurz zu machen: Es gibt ohne Zweifel in allen Berufen Menschen, die sich durch ein unübersehbares Maß an Inkompetenz auszeichnen – spätestens nach der Lektüre dieses Buches wird man nicht mehr ernsthaft bestreiten können, dass auch Fachbuchautoren davon nicht ausgenommen sind – aber die Gründe dafür sind doch etwas komplexer, als uns Peter & Hull glauben machen wollen. Da müssen wir wohl wieder selbst nach einer Erklärung suchen.

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