Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Kantloeffel

Wer im Geschichts- bzw. Politikunterricht oder bei Gesprächen kultivierter Hipster, die fettfreien Sojalatte trinken, einigermaßen gut aufgepasst hat, der weiß, dass das vorangegangene Zitat Immanuel Kant zuzuordnen ist. Also zumindest das Meiste davon.

Ich weiß es, da ich im Politikunterricht dazu gezwungen wurde, Kants Leitspruch der Aufklärung auswendig zu lernen. Ich weiß außerdem, dass wir uns damals alle sehr darüber aufgeregt haben das zu müssen, weil wir es später eh nicht mehr brauchen würden.

Herr Dörner, falls Sie das lesen: Ich hätte es auch googeln können.

Dennoch danke ich Herr Dörner, meinen anderen ehemaligen Lehrer*innen, meinen Eltern, meinem Studium und mir, denn sie alle haben mich zu einer klugen, meinungsstarken Frau gemacht.

„Klug“ – für mich ein verdammt nichtssagendes Wort. Man nutzt es um jemanden generell zu beschreiben, so wie frech, pfiffig und keck (siehe: die geläufigsten Adjektive im Friseurladen) und es überschattet so wunderbar die zahlreichen dummen Ereignisse des Lebens.

In einem Moment zitiere ich Immanuel Kant und lese über Aristoteles, im anderen halte ich meinen Löffel unter den Wasserhahn und bestaune anschließend meinen nassen Schritt.

„Dumm“ ist allerdings wieder so ein nichtssagendes Wort. Und wo wir schon dabei sind: Menschen, die nichts sagen, die finde ich in vielen Fällen dumm. Das heißt, ich finde Menschen, die etwas sehr Kompetentes zu sagen hätten, das aber nicht tun, weil sie nicht als „nervig“ gelten wollen oder sich zu fein für eine Diskussion sind, dumm.

Wenn Onkel Peter mal wieder einen Schwulenwitz reißt zum Beispiel.

Oder wenn man bei der Arbeit wie selbstverständlich Käffchen kochen soll, weil man eine Vagina hat, obwohl weder man selbst, noch die Vagina, Kaffeetrinker ist.

Ich versuche also weniger dumm zu sein. Zugegeben, ich halte immer noch meinen Löffel unter den Wasserhahn und denke, trotz einiger Studien von mir (an mir), von einer Flasche Wein werde ich sicher nicht betrunken.

Unsachliche, menschenverachtende Kommentare oder Missstände lasse ich allerdings nicht mehr unter den Tisch fallen. Und ich weiß, Überkorrektheit empfinden viele als scheiße nervig. Es wäre aber noch viel scheiße nerviger, wenn die Umstände sich einfach nicht ändern würden.

In diesem Sinne: „Sapere Aude“, Bitches!