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Ein Wochenende am Arsch der Heide aus der Sicht der Praktikantin

(c) Linda Grüneisen

14 Menschen mit einer Alterspanne von jung bis junggeblieben, ein dreistöckiges Haus irgendwo im nirgendwo mit einem riesigen Grundstück und Zeit. Ungewöhnlich viel Zeit, die verbracht werden wollte. Ohne Plan, ohne konkretes Ziel aber mit sehr, wirklich sehr viel Tee und noch mehr Essen.

 

Am vergangenen Wochenende trafen sich Autor*innen, Fotografierende, Musiker*innen, Praktikant*innen (einfach mal Plural, so aus Jux) und anders Schaffende zu etwas, das unter dem Namen „Kreativwochenende“ versteuert wurde. Ganz im Sinne des Verlagsmottos „Nachhaltigkeit“, wurde gemeinsam saisonal und vegan gekocht und zubereitet.

„Kreativwochenende“ – für mich zunächst eine eher befremdliche Begrifflichkeit. Kreativität ist so etwas Subjektives. Wenn ich zum Beispiel Möchtegern Gedichte oder Texte schreibe, in die ich verschiedene Synonyme für das männliche Genital einflechte, dann halte ich mich selbst für unglaublich witzig und kreativ. Aber was andere Menschen, Menschen die tatsächlich ganze Bücher mit ihren Gedanken füllen, etwas quasi aus dem Nichts aufbauen oder sogar schaffen, ganz ohne ein einziges Wort durch ihre Werke eine Botschaft zu vermitteln von „Fleischpeitsche“ halten würden – fraglich.

Meine Sorgen entpuppten sich allerdings als unbegründet. Und die „Menschen“ als Personen, die sich eigentlich gar nicht so viel von mir unterscheiden, außer vielleicht durch längere Auseinandersetzung mit dem 6-hebigen Jambus oder Ziegenhaltung.

Gleichgesinnt aber anders nutzte jeder von uns das Wochenende also für das, wonach sich gefühlt wurde. Für Außenstehende mag das wahrscheinlich unkoordiniert ausgesehen haben, war es auch, aber die Ergebnisse sprachen für sich: Musik aus eigener Hand, selbstgebaute Eulennistkästen, Gemaltes, Kurzgeschichten und eine Fotostrecke über die größte Steinwüste Islands waren nur die Highlights des letzten gemeinsamen Abends.

Auf der Heimfahrt vom Arsch der Heide, ließ ich die Zeit noch einmal Revue passieren. So skeptisch wie ich anfangs auch war, nicht nur aufgrund der Planlosigkeit, auch wegen dieser Mischung an Personen, diesem nicht-einzuordnenden Haufen, so wertvoll war diese Zeit im Endeffekt. Sicherlich plan-, aber auf keinen Fall ziellos.

Und kreativ, vor allem kreativ. Und komisch, sehr komisch sogar. So wie ich auch. Und das ist schön.

 

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