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Es ist Ende April und die globale Erwärmung beschert uns bereits jetzt unverschämt schönes Wetter. Das hat zur Folge, dass neben dem Antarktiseis auch die Kleidung immer knapper wird. Das wiederum hat zur Folge: Kalkleisten. Optional auch Schneemänner, Geister oder Käse genannt. Menschen wie ich, die bei der Vergabe von Melanin wahrscheinlich gerade am Kühlschrank standen, um die Milch direkt aus dem Karton zu saufen.

Das Nervige daran, ein blasses Elend zu sein, ist allerdings nicht etwa das ständige Nachcremen mit Lichtschutzfaktor 50 plus oder das obligatorische Käppi, das einem die Mutter (obgleich es meinem bezahnspangtem 12 jährigen Ich fashionmäßig wirklich nicht in den Kram passte) bei jedem Freizeitpark-Besuch aufgesetzt hat. Nein, das wirklich Beschissene daran sind die Menschen um einen herum. Diese karamell- bis schoko-gebräunten Adonisse, die mitleidig auf einen herabblicken wie auf einen nassen Sack Kreide und sich ihre Kommentare einfach nicht verkneifen können.

Bevor dieser Sommer also richtig in Schwung kommt, antworte ich präventiv ganz frech auf die sieben geistreichsten Bemerkungen, die ich und wahrscheinlich ebenso meine kalkleistigen Genoss*innen einfach nicht mehr hören können:

1) Gehst du überhaupt mal nach draußen?

Ich versuche es weitestgehend zu vermeiden. Die meiste Zeit klappt das sehr gut, um meine Einkäufe zu erledigen konnte ich glücklicherweise die Ratten aus dem Wohnheim trainieren. Den Müll bringen sie bisland leider nicht so gerne raus. Undankbare Miststücke.

2) Guck‘ mal, neben dir bin ich ja noch viel brauner!

Symbiose. Neben dir fühle ich mich gleich viel klüger.

3) Wärst du in einem anderen Zeitalter geboren, gältest du als adelig!

Wärst du in einem anderen Zeitalter geboren, wäre mir dieses Gespräch erspart geblieben.

4) Ist der Rest deiner Familie normal?

Im Alter von circa 16 Jahren hat mein ältester Bruder beim Familienessen den Wunsch geäußert, Tabledancer zu werden. Das war nach dem er seine Panflöten-Rebellen-Zeit überwunden hatte. Oder worauf wolltest du hinaus?

5) Bist du überall so weiß? 😉

Wenn das eine Anspielung auf jene Bereiche meines Körpers sein soll, die meist von Kleidung bedeckt sind: Nein, mein Intimbereich sieht aus wie der einer heißblütigen Latina.

6) Warum liegt hier Stroh?

Warum hast du eine Maske auf?

7) Hast du´s schon mal mit Selbstbräuner versucht?

Der günstigste Selbstbräuner kostet 2.00 €, also 4 DM, also 2 kg Haferflocken und 57,14 % eines Döners. Nein, habe ich nicht.

Man sieht, ich bin frustriert. Gar nicht so sehr über meinen druckerpapierartigen Teint (lautsprachlich Täng), sondern vielmehr darüber, dass jeder Vogel ungefragt seine Meinung zu meinem Äußeren kundtut. Ungeil, vor allem wenn man bedenkt, dass sich für mich an diesem Zustand nichts ändern lässt.

Die Regel lautet: Man darf sich ausschließlich zu Dingen an der Optik von jemandem äußern, insofern es nicht beabsichtigt und innerhalb von 20 Sekunden zu beheben ist. Darunter fallen dann zum Beispiel ein offener Hosenstall, verschmierte Schminke oder Salat zwischen den Schneidezähnen. Grässliche Frisuren, ein kleiner Penis oder eben ein blasser Teint (Täng!), NICHT.

Eigentlich ganz einfach, sollte man meinen. Aber bei sinnlosen Kommentaren will ich mich selbst auf keinen Fall rausnehmen.

Es gilt: Lasst uns alle diesen Sommer ein bisschen mehr nachdenken, ein bisschen weniger unqualifizierte Bemerkungen machen und ein bisschen mehr das Leben genießen.

PS: Ich habe mir heute den ersten Sonnenbrand geholt…

 

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