Schlagwörter

, , , ,

Sophie Passmann. Mit ihren 25 Jahren, ihrem bisherigen beruflichen Werdegang und überhaupt ihrer provozierenden, kritischen und unglaublich bösartig-humorvollen Art, stellt sie für mich eines der weiblichen Rollenvorbilder unserer Zeit dar.

Ich könnte hier Lobpreisungen über Frau Passmann ins Grenzenlose ausführen. Man könnte es allerdings auch einfach dabei belassen zu sagen: Ich bin ein Fan und finde sie überaus inspirierend. Kürzlich habe ich mir ein Nasenpiercing stechen lassen. Möglicherweise hat eine gewisse 1-live-Moderatorin ebenfalls eins.

Mit ihrem Buch „Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch“, darf Sophie Passmann sich nun neben einer Vielzahl anderer Dinge, zusätzlich auch noch Bestseller-Autorin nennen. Trotz dieses fast unverschämten Erfolgs in so jungem Alter, der einen sein eigenes Leben in Frage stellen lässt, bitte, mehr.

Frau Passmann hat sich in ihrem Werk einem Thema gewidmet, das in der öffentlichen Debatte oft nicht mehr als Augenrollen auslöst: Feminismus. Im Gespräch mit verschiedenen einflussreichen Männern unserer Zeit, sozusagen der crème de la crème alter weißer Männer in Deutschland, ermöglicht sie einen Diskurs, der in dieser Form bisher nicht existierte.

Geduldig lässt Frau Passmann die Männer, die es bereits gewohnt sind, dass an ihren Lippen gehangen wird, ein weiteres Mal zu Wort kommen. An ihren weiterführenden Gedanken, kessen Kommentaren und Wertungen über Etablissement und Outfit, lässt sie dann meist nur den Leser teilhaben. Die Jugendlichkeit, die Frau Passmann nun einmal noch innehat, gepaart mit ihrer Intelligenz, ergibt eine angenehme Mischung aus Fach- und sehr umgänglicher Umgangssprache. Eben eine Mischung aus lakonisch und Pimmel.

Im Spiegel-Interview mit Jan Fleischhauer wird Sophie Passmann dafür kritisiert, nicht den Aufreger, den Macho-Machthaber, den Inbegriff des alten weißen Mannes zum Gespräch gebeten zu haben. Stattdessen begnügte sie sich mit Männern hohen Intellekts, meist mit einem gesunden Maß an Selbstreflexion und veganem Brotaufstrich ausgestattet.

Aber eben genau diese Auswahl der Interviewpartner macht für mich eine der Stärken von „Alte Weiße Männer“ aus. Welchen Mehrwert hätte es gehabt, einen Mann, der sich mit seinem Penis unreflektiert an die Spitze der Hierarchie stellt, zum Plauschen zu treffen? Das hätte nur noch einmal verdeutlicht, wo wer steht und wie schrecklich sich alle gegenseitig finden.

Nein. Ein Buch, das Männerhass schürt und Vaginas heiligspricht, braucht nun wirklich niemand (auch wenn das Interview mit Rainer Langhans bereits äußerst grenzwertig war, was ist nur mit diesem Mann?!).

Mit „Alte Weiße Männer“ schafft es Sophie Passmann, jungen Feministinnen wie mir wieder Mut zu machen. Mut dazu, nicht die Augen vor den „kleinen“ Ungerechtigkeiten zu verschließen, trotz Augenrollen anstrengend zu sein und darüber zu stehen, wenn mal wieder hinter nicht ganz so vorgehaltener Hand offeriert wird, man solle einfach mal wieder richtig durchgebumst werden. Überzeugend stellt sie heraus; den Feminismus, in all seiner Überkorrektheit, gäbe es nicht, wenn es keinen Sexismus mehr gäbe.

Danke, Sophie Passmann.

 

Werbeanzeigen